Agentur-Pitch: 7 Fragen, die du vor einer Zusammenarbeit stellen MUSST
Agentur-Erstgespräch vorbereiten: 7 Fragen, die du unbedingt stellen solltest. Die komplette Checkliste für E-Commerce Brands, Startups & KMUs.
Du sitzt im Erstgespräch mit einer Agentur. Die Präsentation ist schick, das Team wirkt kompetent, die Case Studies klingen beeindruckend. Und trotzdem hast du dieses leise Bauchgrummeln: Ist das hier wirklich die richtige Wahl?
Wir erleben es regelmäßig von beiden Seiten des Tisches. Unternehmen, die nach drei Monaten frustriert eine Agentur wechseln, weil die Zusammenarbeit nicht das gehalten hat, was das Erstgespräch versprochen hat. Und fast immer liegt es nicht an fehlendem Talent, sondern an ungeklärten Erwartungen.
Das Erstgespräch mit einer Agentur ist kein Bewerbungsgespräch, bei dem du passiv zuhörst. Es ist ein gegenseitiges Kennenlernen und deine Chance, die richtigen Fragen zu stellen, bevor du unterschreibst. Hier sind die sieben Fragen, die wirklich zählen.
Warum scheitern so viele Agentur-Beziehungen im ersten Jahr?
Bevor wir zu den Fragen kommen, lohnt ein ehrlicher Blick auf die häufigsten Ursachen für gescheiterte Agentur-Partnerschaften, denn die helfen dir zu verstehen, worauf du achten musst:
Erwartungsmanagement-Gap: Das, was im Erstgespräch versprochen wurde, und das, was operativ geliefert wird, klaffen auseinander. Nicht weil die Agentur lügt, sondern weil nie konkret genug gefragt wurde.
Team-Diskrepanz: Das Team im Pitch ist nicht das Team im Daily Business. Der erfahrene Stratege aus dem Erstgespräch erscheint danach nur noch im Quartalscall, während ein Junior die laufende Arbeit übernimmt.
Fehlende Erfolgsdefinition: Weder Agentur noch Kunde haben vorab klar definiert, was Erfolg bedeutet. Drei Monate später hat jeder eine andere Meinung darüber, ob die Zusammenarbeit funktioniert.
Diese drei Muster kannst du mit den richtigen Fragen im Vorfeld aufdecken oder zumindest erheblich reduzieren.
Frage 1: Wer arbeitet konkret an meinem Account?
Das ist die wichtigste Frage, die die wenigsten stellen. Und die Antwort darauf ist oft der entscheidende Unterschied zwischen einer guten und einer enttäuschenden Agentur-Erfahrung.
Stelle sie so direkt: „Wer aus eurem Team wird täglich an unserem Account arbeiten und wer ist nur im Pitch dabei?"
Wie eine gute Antwort klingt
Die Agentur nennt dir konkrete Namen, erklärt deren Erfahrungslevel und beschreibt die Rollenverteilung. Idealerweise sind diese Personen sogar im Erstgespräch dabei oder werden dir danach vorgestellt.
Warnsignale bei dieser Frage
„Das hängt von der Kapazität ab" – bedeutet: du weißt nicht, wer für dich zuständig ist.
Vage Antworten wie „unser erfahrenes Team" – ohne Namen oder konkrete Rollen.
Der Senior im Pitch verschwindet danach komplett aus der operativen Kommunikation.
⚡ Insider-Wissen: Frag explizit nach der Senioritätsstufe der Person, die dein Account Manager sein wird. Eine 3-Personen-Agentur mit erfahrenen Leuten schlägt oft eine 50-Personen-Agentur, bei der dein Account von einem Berufseinsteiger betreut wird.
Frage 2: Wie sieht ein realistisches Ergebnis nach 90 Tagen aus?
Diese Frage trennt Agenturen, die wirklich dein Business verstehen wollen, von Agenturen, die nur Retainer sammeln. Und sie ist absichtlich etwas provokativ formuliert, denn sie zwingt zu Konkretheit.
Eine Agentur, die dein Business noch nicht kennt, kann natürlich keine exakten Zahlen nennen. Das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist: Wie geht sie mit dieser Frage um?
Wie eine gute Antwort klingt
„Nach 90 Tagen sollten wir X analysiert und Y aufgebaut haben. Konkrete Performance-KPIs können wir erst nach einer Audit-Phase festlegen, aber hier ist unser typischer Prozess..." gefolgt von einem strukturierten Onboarding-Konzept.
Warnsignale bei dieser Frage
Sofortige, sehr spezifische Zahlen-Versprechen ohne dein Business zu kennen. Wer dir im Erstgespräch garantiert, den ROAS auf 4:1 zu verdoppeln, lügt dich an oder du bist der Leidtragende, wenn es nicht klappt.
Reine Aktivitäts-Antworten statt Ergebnis-Orientierung: „Wir posten 20x pro Monat, schalten 3 Kampagnen..." Was bringt das? Wohin führt das?
Kein klares Onboarding-Konzept. Wenn eine Agentur keine strukturierte Einarbeitungsphase hat, fehlt ihr Prozess-Reife.
Frage 3: Wie kommuniziert ihr und wie schnell reagiert ihr?
Klingt banal. Ist es nicht. Kommunikation ist einer der häufigsten Streitpunkte in Agentur-Beziehungen, und trotzdem wird er im Erstgespräch fast nie besprochen.
Stelle diese Frage und notiere die Antwort sorgfältig: „Wie läuft unsere alltägliche Kommunikation? Was ist euer Standard für Response-Zeiten? Und was passiert, wenn ich kurzfristig etwas brauche?"
Wie eine gute Antwort klingt
Klare Strukturen: feste Ansprechpartner, definierte Kanäle (z.B. Slack, E-Mail, Projektmanagement-Tool), realistische Response-Zeit-Versprechen (z.B. „Werktags innerhalb von 4 Stunden") und ein klarer Prozess für Notfälle oder kurzfristige Anfragen.
Warnsignale bei dieser Frage
„Wir sind immer erreichbar" – das klingt gut, ist aber kein Prozess. Frag nach.
Kein definiertes Projektmanagement-Tool. Wenn alles über E-Mail läuft, wird es früher oder später chaotisch.
Keine Antwort auf „Was passiert bei kurzfristigen Anfragen?" – bedeutet: kein Plan für das Unvermeidliche.
💡 Pro-Tipp: Schick der Agentur noch am Tag des Erstgesprächs eine kurze Test-E-Mail mit einer einfachen Folgefrage. Die Response-Zeit sagt dir mehr als jede Antwort im Pitch.
Frage 4: Welche Ergebnisse habt ihr für ähnliche Unternehmen erzielt?
Referenzen sind Standard. Aber die Art, wie eine Agentur über ihre Referenzen spricht, ist entscheidend. Du willst keine Logos, du willst Kontext.
Frag so: „Habt ihr mit Unternehmen wie uns gearbeitet – ähnliche Größe, ähnlicher Kanal, ähnliche Herausforderung? Was war das konkrete Ergebnis, und was war dein konkreter Beitrag dazu?"
Wie eine gute Antwort klingt
Spezifische Zahlen mit Kontext: „Wir haben für eine DTC-Skincare-Brand den organischen Traffic in 8 Monaten um 180 % gesteigert, indem wir X gemacht haben. Die Ausgangssituation war Y, die Herausforderung war Z."
Warnsignale bei dieser Frage
Ausschließlich große Brand-Namen ohne Relevanz für dein Business. Eine Agentur, die für eine FMCG-Konzernmarke gearbeitet hat, muss nicht zwingend gut für ein 10-Personen-DTC-Startup sein.
Vage Aussagen ohne Zahlen: „Wir haben die Marke deutlich gewachsen lassen." Wieviel? Womit?
Kein einziger Case mit ähnlichem Kontext wie deinem. Das ist kein KO-Kriterium, aber ein Signal: Frag, warum nicht.
Frage 5: Was passiert, wenn eine Maßnahme nicht funktioniert?
Das ist die Frage, die den Charakter einer Agentur zeigt. Im Erstgespräch redet jeder über Erfolge, aber wie eine Agentur mit Misserfolgen und Kursänderungen umgeht, sagt alles über ihre Professionalität aus.
Wie eine gute Antwort klingt
„Wir haben definierte Review-Punkte, zum Beispiel nach 4 Wochen und nach 8 Wochen, an denen wir gemeinsam schauen, was die Daten sagen. Wenn eine Maßnahme nicht performt, kommunizieren wir das transparent und schlagen Alternativen vor." Das zeigt: Prozess, Transparenz, Ownership.
Warnsignale bei dieser Frage
Defensive Reaktion oder Ausweichen. Wer auf diese Frage zuerst erklärt, warum Dinge scheitern könnten (Budgetprobleme, Produkt, etc.) – statt einen klaren Prozess zu beschreiben – will Verantwortung abwehren.
„Das ist noch nie passiert." Ist gelogen.
Kein definierter Review-Prozess. Wenn eine Agentur keine regelmäßigen Checkpoint-Meetings hat, fehlt ihr die Infrastruktur für ehrliche Selbstkritik.
⚡ Kontraintuitiv: Die besten Agenturen sprechen im Erstgespräch proaktiv über Situationen, in denen etwas nicht funktioniert hat und was sie daraus gelernt haben. Wer ausschließlich Erfolge verkauft, hat entweder keine Fehlerkultur oder er lügt.
Frage 6: Wie sieht euer Reporting aus und was messe ich damit wirklich?
Reporting ist der Bereich, in dem am meisten geblendet wird. Schöne Dashboards mit viel Grün klingen gut, aber messen sie das, was für dein Business wirklich zählt?
Frag konkret: „Zeigt mir ein Beispiel-Reporting aus einem ähnlichen Projekt. Welche KPIs sind drin und welche nicht?"
Wie eine gute Antwort klingt
Das Reporting zeigt Business-relevante KPIs (Revenue, ROAS, CAC, Conversion Rate, organischer Traffic mit Qualitätsscore). nicht nur Vanity Metrics wie Impressions oder Follower-Zahlen. Und die Agentur kann erklären, warum sie genau diese Zahlen trackt.
Warnsignale bei dieser Frage
Reiche Dashboards mit Reichweite, Likes und Impressions als Hauptmetriken. Das sind keine Wachstums-KPIs.
Kein Beispiel-Reporting verfügbar. Wenn eine Agentur dir kein anonymisiertes Beispiel zeigen kann, hat sie entweder keins oder es ist so schwach, dass sie es nicht zeigen will.
Reporting nur auf Anfrage statt proaktiv und regelmäßig. Du willst Transparenz als Standard, nicht als Sonderleistung.
Frage 7: Was braucht ihr von uns, damit die Zusammenarbeit funktioniert?
Diese Frage stellen die wenigsten Unternehmen und sie ist eine der aufschlussreichsten. Eine gute Agentur weiß genau, was sie von dir braucht. Und sie traut sich, das auch zu sagen.
Wie eine gute Antwort klingt
„Wir brauchen Zugang zu euren Analytics-Daten vom ersten Tag an, einen klar definierten Ansprechpartner auf eurer Seite mit Entscheidungskompetenz, und einen initialen Onboarding-Workshop, in dem wir euer Business, eure Zielgruppe und eure bisherigen Learnings verstehen." Das zeigt: die Agentur denkt in Partnerschaft, nicht in Dienstleistung.
Warnsignale bei dieser Frage
„Wir brauchen eigentlich nichts Besonderes von euch" – das klingt angenehm, ist aber falsch. Gute Arbeit erfordert Input.
Keine Erwähnung von Daten-Zugang. Wer ohne deine Analytics arbeiten will, arbeitet blind.
Kein Onboarding-Prozess. Wenn eine Agentur kein strukturiertes Onboarding hat, lernst du dich selbst zu wiederholen.
Die vollständige Erstgespräch-Checkliste
Hier alle sieben Fragen kompakt zum Ausdrucken oder Speichern:
Wer arbeitet konkret täglich an meinem Account?
→ Worauf du achtest: Namen, Senioritätslevel, RollenbeschreibungWas ist ein realistisches Ergebnis nach 90 Tagen?
→ Worauf du achtest: Strukturiertes Onboarding-Konzept, keine leeren Zahlen-VersprechenWie kommuniziert ihr – Kanäle, Response-Zeiten, Notfälle?
→ Worauf du achtest: Klare Prozesse, Tool-Stack, realistische VersprechenWelche konkreten Ergebnisse habt ihr für ähnliche Unternehmen erzielt?
→ Worauf du achtest: Spezifische Zahlen mit Kontext, relevante BranchenerfahrungWas passiert, wenn eine Maßnahme nicht funktioniert?
→ Worauf du achtest: Review-Prozess, Transparenz, Ownership – keine AusflüchteZeig mir ein Beispiel-Reporting: Was messt ihr wirklich?
→ Worauf du achtest: Business-KPIs statt Vanity Metrics, proaktives ReportingWas braucht ihr von uns, damit es funktioniert?
→ Worauf du achtest: Klare Anforderungen, Daten-Zugang, Onboarding-Prozess
Was sind die häufigsten Fehler beim Agentur-Erstgespräch?
Fehler Nr. 1: Nur zuhören statt fragen
Das Erstgespräch ist keine Präsentation, die du passiv konsumierst. Unterbrich ruhig, frag nach, bohr tiefer. Eine gute Agentur freut sich über kritische Fragen – sie zeigen, dass du es ernst nimmst.
Fehler Nr. 2: Zu früh über Budget reden
Wenn du dein Budget nennst, bevor du die Agentur kennengelernt hast, gestaltest du die Angebotsstrategie der Agentur und nicht zu deinen Gunsten. Erst Erwartungen und Leistungsumfang klären, dann über Kosten sprechen.
Fehler Nr. 3: Entscheidung unter Zeitdruck
„Das Angebot gilt nur bis Freitagabend" ist ein Vertriebstrick, kein Qualitätsmerkmal. Eine Agentur, die dich unter Druck setzt, hat entweder Kapazitätsprobleme oder sie weiß, dass du bei näherer Prüfung Nein sagen würdest.
Fehler Nr. 4: Keine zweite Meinung einholen
Sprich immer mit mindestens zwei Agenturen. nicht um den günstigsten Preis zu finden, sondern um Vergleichspunkte zu haben. Erst im Vergleich merkst du, welche Antworten wirklich gut sind und welche nur gut klingen.
💡 Pro-Tipp aus der Praxis: Schick beiden Agenturen im Nachgang dieselbe E-Mail mit einer konkreten, etwas komplexen Folgefrage zu deinem Business. Wie schnell und wie tiefgründig die Antwort kommt, sagt dir mehr als zwei Stunden Pitch-Präsentation.
Fazit: Das Erstgespräch ist dein stärkstes Selektions-Instrument
Die sieben Fragen in diesem Artikel sind kein Verhör, sie sind die Grundlage für eine ehrliche Partnerschaft. Eine Agentur, die gut auf sie antwortet, hat Prozesse, Transparenz und echtes Interesse an deinem Wachstum. Eine Agentur, die ausweicht, defensive wird oder mit leeren Versprechungen antwortet, zeigt dir damit genau das, was du wissen musst.
Die wichtigsten Takeaways:
Frag immer nach dem konkreten Day-to-Day-Team, nicht nach dem Pitch-Team.
Lass dir ein echtes Beispiel-Reporting zeigen, bevor du unterschreibst.
Die Frage nach dem Umgang mit Misserfolgen trennt professionelle Agenturen von blendenden Verkäufern.
Eine Agentur, die klare Anforderungen an dich stellt, will echte Partnerschaft und keine One-Way-Dienstleistung.
Wenn du nach dem Erstgespräch das Gefühl hast, alle sieben Fragen klar und ehrlich beantwortet bekommen zu haben: Gut. Wenn nicht: weiter suchen.
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